Volvo Software Test Center - Aus Göteborg Richtung Zukunft 

Autos werden zu Computer auf Rädern. Fachleute sprechen vom SDV, vom Software-defined Vehicle. Volvo will hier Maßstäbe setzen, besonders was Sicherheit und Bedienung angehen. 

SP-X/Göteborg. Ohne Bits und Bytes geht beim Auto nichts mehr. Die Branche durchläuft derzeit die größte Transformation ihrer Geschichte. Weg vom Analogen, hin zum Digitalen. Das gilt nicht nur für den Wechsel zum elektrischen Antrieb, sondern auch – und dies viel intensiver – für alles, was mit Software zusammenhängt. Dutzende kleine Computer steuern mittlerweile nahezu jede Funktion, immer präziser, immer schneller, immer smarter. 

„Ein heutiger Neuwagen ist das komplizierteste Konsumgut der Menschheit“, findet Volvo Forschungs- und Entwicklungsvorstand Anders Bell. Welche Gewichtung die Software beim schwedischen Autobauer einnimmt, zeigt zum einen die Größe des neuen Test-Centers am Stammsitz Göteborg, zum anderen die Zahl der Programmierer und IT-Spezialisten. Es sind mehrere tausend, fast so viele, wie im „konventionellen“ Bereich des Unternehmens tätig sind. 

Volvo hat sich auf die Fahnen geschrieben, beim Thema SDV (Software-defined Vehicle) eine Führungsrolle zu übernehmen. Ganz besonders, was Sicherheit und Bedienung (User Experience) angehen. Mit dem Luxus-SUV EX90 und der Oberklasse-Limousine ES90 sind bereits die erste beiden SDV auf der Straße. Sie basieren auf der sogenannten Plattform SPA2. Doch wie rasend schnell die Entwicklung voranschreitet, zeigt die Nachfolgegeneration SPA3, die ihr Debüt Anfang kommenden Jahres im elektrischen Mittelklasse-SUV EX60 feiert. 

„Bei der SPA3 ist es das erste Mal, dass wir uns schon in der frühen Entwicklungsphase gedanklich vom Verbrennungsmotor verabschiedet und kompromisslos auf Elektroantrieb festgelegt haben“, sagt Bell. Nur so könne ein optimales Package realisiert werden, ohne Zugeständnisse bei Platz, Abmessungen, Effizienz und Gewicht. Volvo ist sich sicher, mit der SPA3 die weltweit beste Elektroarchitektur im Angebot zu haben. Sie wird schon bald auf weitere Modelle ausgerollt. 

Alle zukünftigen Neuheiten eint eine Master-Software. Je nach Land, Regularien, gesetzlichen Anforderungen und Fahrzeugvarianten kann diese Hauptsoftware erweitert und für die entsprechenden Zwecke zugeschnitten werden. Umso wichtiger ist es, sie absolut perfekt abzusichern, in allen Aspekten. Denn ein Fehler in der Master-Software würde auf alle verkauften Modelle durchschlagen. Auch hier spielt das neue Software Test Center eine entscheidende Rolle. Programme und Funktionen können 24/7, also rund um die Uhr getestet werden, zu stets gleichen und wiederholbaren Bedingungen. Das gilt sowohl für die ausgebauten Bauteile (Electronic Control Units, ECU) als auch für vollständig ausgestatteten Fahrzeuge, die auf dem Rollenprüfständen ihre Testzyklen durchlaufen.  

Sicherheit steht bei Volvo seit Jahrzehnten ganz oben auf der Agenda, gehört quasi zur Marken-DNA. Stolz sind die Schweden daher auf ihren enormen Datensatz aus der Unfallforschung, sei es von Crash-Versuchen oder aus realen Geschehnissen. Dazu wurden über 50.000 Unfälle mit mehr als 80.000 Personen ausgewertet. Künstliche Intelligenz soll nun dabei helfen, die gesammelten Daten sinnvoll in die weitere Entwicklung von Assistenzsystemen, aber auch bei der passiven Sicherheit (Crash-Strukturen, Airbags, Gurte) einfließen zu lassen. 

Fest steht, Software-definierte Autos werden immer intelligenter und sicherer. Für die Schnittstelle Mensch-Maschine ergeben sich Möglichkeiten, an die wir vor wenigen Jahren nicht im Entferntesten gedacht haben. Wie selbstverständlich ist heute der elektronische Schlüssel (Digital Key) im Smartphone? Oder die Übertragung neuer Software over-the-air (OTA) ins Auto, um auch Jahre nach dem Kauf digital voll auf Höhe der Zeit zu sein? 

Ähnlich wird es sich mit der Sprachsteuerung über KI-Assistenten verhalten. Die Fortschritte sind enorm. Aus einst stereotypischen Befehlen sind über KI längst menschliche Unterhaltungen geworden. Auch hier will sich Volvo an die Spitze der Branche setzen, mit Hilfe von Google, denn nächstes Jahr wird Gemini in die schwedischen Fahrzeuge Einzug halten. 

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