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2022 verkaufte sich der Fiat 500 in Deutschland 52.337-mal Foto: Fiat
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Fünf kleine Bestseller - Überraschende Platzierungen

Kleinwagen werden immer teurer, immer größer - und sind immer weniger gefragt. Doch es gibt auch Gewinner unter den praktischen Citymobilen. Hier die Top 5 des letzten Jahres mit ihren Stärken und Schwächen.

Unsere Autowelt ändert sich. Das Straßenbild, so wie es über Jahrzehnte die Citys prägte, ist längst ein anderes. Dominierten früher Kleinwagen und Kompakte den Verkehr, haben seit einigen Jahren die SUVs das Kommando übernommen. Gerade die Budgetklasse der kleinen Leute steckt tief in den roten Zahlen. Minus 14,4 Prozent verbuchten die Kleinwagen und Minis 2022 im Vergleich zum Vorjahr. Es lohnt sich anscheinend schlichtweg nicht mehr, Kleinwagen zu bauen und teuer sind sie obendrein. Die Elektrifizierung rechnet sich für dieses Segment nicht. Sagen die Hersteller. Folge: Immer mehr Autobauer ziehen sich zurück. Jüngst hat Ford bekannt gegeben, Ende 2023 den Fiesta einzustellen. Eine Zäsur. 2015 war der Klassiker noch Europas meistverkaufter Kleinwagen.

Man muss ja nicht gleich jeden (negativen) Trend mitmachen. Sagt sich anscheinend Fiat und widerlegt, dass Kleinwagen Auslaufmodelle sind. Mit dem Fiat 500 führen die Italiener das Feld der Autozwerge an. 52.337-mal verkaufte sich die stylishe Knutschkugel 2022, ein Plus von 46,2 Prozent. Deutlich über die Hälfte aller Kunden wählten den Elektroantrieb, der ab 30.990 Euro startet. Die komplette Neuentwicklung mit eigener Plattform sieht aus, als hätte jemand den 500er von innen aufgeblasen. Gute Materialien, pfiffige Details und ein zeitgemäßes Infotainment zählen ebenso zu den Stärken des Sympathikus wie das unproblematische Fahrverhalten. Die recht schwammige Lenkung und die etwas spröde Federung ließen sich als Kritikpunkte ankreiden. Je nach Batterietyp (23,8 oder 42 kWh) sind laut Werk bis zu 321 Kilometer Reichweite drin. Alternativ gibt es den 500er noch als Hybrid mit 51 kW (70 PS). Auffällig: 65,8 Prozent aller 500er sind als Geschäftswagen angemeldet.

Diese Zahl toppt die klare Nummer zwei unter den Kleinen noch einmal, der Opel Corsa. 67,2 Prozent aller Corsa sind geschäftlich zugelassen. Auch der Rüsselsheimer Bestseller profitiert vom elektrischen Schlag. Von den 50.191 verkauften Einheiten trugen immerhin 14.979 Stück das E-Kennzeichen. Die 100 kW/136 PS-Variante gibt es ab 33.895 Euro, mit der 50 kW/h-Batterie sind realistisch rund 300 Kilometer Reichweite möglich. Auch beim ewigen Corsa überzeugen die Fahreigenschaften und das insgesamt problemlose Handling. Die Akku-Version büßt im Vergleich zu den Verbrenner-Kollegen (Benziner und Diesel) rund 40 Liter an Kofferraumvolumen ein, es sind nur noch 267 Liter. Der Einstieg in die Corsa-Welt beginnt beim 1,2 Liter Benziner mit 55 kW/75 PS bei 20.440 Euro.

Dafür gibt es beim Drittplatzierten höchstens einen Gebrauchten. Die Mini-Preisliste beginnt beim dreitürigen Cooper (100 kW/136 PS) mit selbstbewussten 26.100 Euro.  So ist es nicht wirklich verwunderlich, dass die britische Ikone angesichts von Sparwellen im Lande Federn lassen musste. 40.142 verkaufte Minis bedeuten einen Rückgang von 6,5 Prozent. Zumal der BMW-Ableger mit einem geschäftlichen Anteil von 44,9 Prozent vorwiegend von Privatleuten gekauft und finanziert wird. Nur rund zehn Prozent entschieden sich übrigens für den teuren und längst nicht mehr zeitgemäßen Mini SE. Die vollelektrische Variante (ab 35.700 Euro) kommt in diesem Jahr neu. Ansonsten gilt: klein, aber fein. Schon der Einsteiger-Mini gefällt mit seinem kultivierten, angenehm elastischen Dreizylinder. Das Spitzenmodell Cooper Works bringt es auf spaßige 170 kW/231 PS. Wählen kann der Kunde nach wie vor zwischen Dreitürer, Fünftürer (16 Zentimeter länger) und Cabriolet. Alle eint eine Tatsache: Üppiger Platz ist nicht gerade die Kernkompetenz des Mini. Die agilen Fahreigenschaften, die den BMW-Ableger seit Jahren zum Wunschauto vor allem von jungen Käufern macht, stehen auf der Plusseite. Ebenso die gute Verarbeitung und die Top-Rundumsicht. Negativ fallen die recht hohen Innengeräusche auf. Zudem merkt man, dass der scheinbar alterslose Mini nun doch schon etwas in die Jahre gekommen ist.

Das richtige Stichwort für unsere Nummer vier. In der vierten Generation stellte sich im letzten Jahr der frisch gebügelte Yaris vor. Toyota bietet ihn ab 18.750 Euro an. Der Start dürfte den Japanern gefallen haben. 31.048-mal verkaufte sich der Yaris, den es seit kurzem auch als Mini-SUV Yaris Cross (ab 22.690 Euro) gibt. Ein Plus von 59,2 Prozent zum Vorjahr. Absoluter Renner mit einem Anteil von rund 80 Prozent war erneut der Yaris Hybrid mit einer Systemleistung von 85 kW/116 PS. Er verkaufte sich alleine 26.376-mal - was das große Vertrauen der Kunden in die Kompetenz des Systems mit Verbrenner und E-Antrieb ausdrückt. Zumal Toyota in diesem Segment keine wirkliche Konkurrenz hat. Der Hybridantrieb des Yaris wurde neu konstruiert, der Verbrenner schaltet sich oft komplett und unmerklich ab, das Fahrzeug wurde 20 Kilo leichter. So lassen sich realistische Verbräuche um und unter vier Liter realisieren. Während der Yaris bei den Assistenzsysteme absolut auf der Höhe fährt, erscheint das teilweise billige, kratzempfindliche Hartplastik keineswegs zeitgemäß. Ein Wort noch zum stärksten Yaris, dem GR. Der kleine Knallfrosch mit 192 kW/261 PS (ab 34.000 Euro) hat sich zum absoluten Kultmobil entwickelt. Toyota teilt seinen sportlichsten Knirps quasi zu. Es gibt deutlich mehr Anfragen als Fahrzeuge, im Internet werden GRs bereits für über 50.000 Euro gehandelt.

Von solchen Sympathiebekundungen kann die Nummer fünf im Ranking nur träumen. Der seit 1975 gebaute VW Polo zeigt das Problem von vielen klassischen Kleinwagen. Sie sind zu groß geworden, zu teuer und bieten zu wenig nachhaltige Technologie. Längst ist es ein Sterben auf Raten. Natürlich ist der Polo noch immer ein Top-Auto. Ausgereift, mit Finesse routiniert abgestimmt, aufwändig verarbeitet und mit reichlich Platz. Er profitiert von seiner Jedermann-Abstimmung und der Technik aus dem VW-Baukasten. Doch das Volk hat abgestimmt und das einstige Er-Volksauto auf Rang fünf abstürzen lassen. 26.402 Verkäufe bedeuten ein Minus von 18,2 Prozent zu 2021. Der Mini-Golf muss sich erneuern. Die bewährten Dreizylinder (Einstieg bei 59 kW/80 PS, ab 19.925 Euro) bieten ordentliche Fahrleistungen, mehr aber nicht. Hybride oder E-Antriebe fehlen dem Polo komplett.  Dafür gibt es einen Spaßmacher wie den GTI mit 152 kW/206 PS. Als offenes Geheimnis gilt, dass der Polo so nicht überleben wird. Ab 2025 kommt der Nachfolger rein elektrisch, gebaut in Barcelona an einem Band gemeinsam mit seinen Technik-Brüdern von Skoda und Cupra. Dann werden die Top 5 der Kleinwagen wieder ganz neu gemischt.

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