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@ meineresterampe (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Online Casinos auf dem Vormasch: Ist das Spielen in Deutschland legal?

Im Fernsehen ist gefühlt rund um die Uhr Werbung für Online Casinos zu sehen

- Wunderino, Mr. Green oder das relativ neue Mr. Bet Spiel Casino Deutschland sind hier nur einige von zahlreichen Anbietern. Doch ist es innerhalb Deutschlands eigentlich legal, sich in einem solchen Online Casino sein Geld aufzubessern? Unser Ratgeber-Artikel verrät es Ihnen.

Deutschland und das Problem eines einheitlichen Glücksspielvertrags

Wenn in der TV-Werbung für verschiedenste Online Casinos geworben wird, sollte man eigentlich davon ausgehen, dass derartige Angebote in Deutschland völlig legal sind - andernfalls würde ja kaum ein Betreiber teure Werbung dafür schalten. Die Wahrheit sieht allerdings etwas anders aus, denn rein rechtlich gesehen befinden sich sowohl die Betreiber der verschiedensten Online Casinos, als auch deren deutsche Kunden in einer rechtlichen Grauzone. Der Grund: Die Online Casinos verfügen nicht über eine gültige Glücksspiellizenz für Deutschland, sondern greifen stattdessen auf europäische Lizenzen aus Malta, Gibraltar oder Großbritannien zurück - wo sich in den meisten Fällen auch der Firmenhauptsitz der Anbieter befindet. Verwirrend: Obwohl ganz klar keine gültige Lizenz für Deutschland vorliegt, gehen die zuständigen Aufsichtsbehörden nicht gegen das somit illegale Angebot vor - sodass sich deutsche Kunden völlig problemlos in einem Online Casino registrieren, dort spielen und im Idealfall auch eine Menge Geld gewinnen können.

Ausnahme für Spieler mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein

Seit einigen Wochen kann man beobachten, dass im Anschluss an Werbespots für Online Casinos eine zusätzliche Info vorgetragen wird: "Das Angebot gilt nur für Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Schleswig-Holstein". Doch was soll das nun wieder bedeuten? Dürfen Bewohner aus Schleswig-Holstein etwa ganz legal im Online Casino spielen, während Bewohner aus anderen Bundesländern das Nachsehen haben? Im Großen und Ganzen trifft das tatsächlich zu: Die Verantwortung für die Regulierung des Glücksspiels ist innerhalb Deutschlands Angelegenheit der einzelnen Bundesländer. Im Jahr 2012 ist auf diese Weise ein sogenannter Glücksspielvertrag zustande gekommen, in dem sich nahezu alle Bundesländer auf eine einheitliche Reglung geeinigt haben - mit Ausnahme von Schleswig Holstein. 

Das besagte Bundesland verfolgt stattdessen eine deutlich liberalere Regelung und hat infolge dessen ein eigenes Gesetz ins Leben gerufen, das auf den Namen "Gesetz zur Neuordnung des Glücksspiels" hört. Jenes Gesetz erlaubt es Schleswig-Holstein, eine eigene Glücksspiellizenz zu vergeben, die von vielen Online Casinos auch dankbar angenommen wird. Damit auch tatsächlich nur Einwohner von Schleswig Holstein an der Spiele Slot Maschine um Echtgeld spielen, weisen die Anbieter der Casinos mit dem oben zitierten Hinweis auf diesen Umstand hin - wohlwissend, dass natürlich auch Bürger aus anderen Bundesländern ihr Glück versuchen werden, da sie nicht an der Anmeldung gehindert werden.

Jetzt wird es allerdings richtig kompliziert: Auch Bürger aus Schleswig-Holstein befinden sich derzeit in einer rechtlichen Grauzone, da die Lizenz des Landes bereits im Jahr 2018 ausgelaufen ist. Der Grund: Das Land Schleswig-Holstein war der Meinung, dass bis zum Jahr 2018 eine bundeseinheitliche Regelung zum Thema Glücksspiel gefunden ist - doch diese lässt nach wie vor auf sich warten. Anbieter von Online Casinos, die bereits vorab eine Glücksspiellizenz aus Schleswig-Holstein erworben hatten, können diese dank einer Übergangslösung in Form eines Verwaltungsaktes weiterhin nutzen.

Bundesländern droht im Juni 2021 ein regelrechtes Desaster 

Im Jahr 2017 haben die Bundesländer einen weiteren Versuch unternommen, eine einheitliche Lösung für Deutschland zu finden, doch abermals stellte sich Schleswig-Holstein quer: Die von den restlichen Bundesländern geplanten Änderungen hätten lediglich dazu beigetragen, dass eine Teilliberalisierung des Online-Glücksspiels stattfindet, die Casinos selbst aber weiterhin verboten wären - Schleswig-Holstein bezeichnet diesen Vorgang als "nicht europarechtskonform". Mittlerweile hat auch das Bundesland Hessen ein Veto eingereicht und stellt sich in dieser Angelegenheit ebenfalls hinter Schleswig-Holstein.

Pikant: Einigen sich die einzelnen Länder bis zum 30. Juni 2021 nicht auf einen gemeinsamen Glücksspielstaatsvertrag, verliert der aktuelle Vertrag seine Wirkung, wodurch fortan jedes Bundesland eine eigenständige Regelung bezüglich der Vergabe von Glücksspiellizenzen finden müsste - und genau das wäre aufgrund der schier undurchschaubaren Komplexität der Todesstoß für viele Online Casinos, die natürlich so unkompliziert wie möglich für ihre Kunden sein möchten.

Online Casinos in Deutschland: Der dreigeteilte Glücksspielmarkt

In Deutschland wird der Glücksspielmarkt derzeit in drei unterschiedliche Bereiche unterteilt.
Hierbei handelt es sich um:

Regulierter Markt (legal)

Sportwettenangebote, Lotterien, Landeslotterien, Spielbanken, Spielhallen und Spielautomaten, die in Gastronomien zu finden sind, gehören dem regulierten und somit legalen Markt an.

Nicht regulierter Markt (rechtliche Grauzone)

Dem nicht regulierten Markt gehören sowohl Online Casinos, als auch Sportwettenanbieter wie Bwin, Tipico, Bet365 u.v.m. an - ebenso wie Anbieter von Online-Poker mit Echtgeld-Gewinnen. Da es in Deutschland momentan kein einheitliches Glücksspielgesetz gibt, bewegen sich sowohl die Betreiber, als auch die Spieler in einer rechtlichen Grauzone.

Nicht regulierter, illegaler Markt

Anbieter, die weder eine Lizenz aus Schleswig-Holstein, noch eine Lizenz aus einem Land der EU besitzen, handeln illegal.

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