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mid Hamburg - Der VW Passat GTE parkt zentimetergenau rückwärts ein. Eine Kamera am Heck erfasst mögliche Hindernisse. Volkswagen
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Nie mehr Parkplatzsuche: Volkswagen gibt beim autonomen Einparken Gas

Hat die lästige Suche nach einem Stellplatz im Parkhaus bald ein Ende? Wenn es nach Johann Jungwirth geht, ja. Der Chief Digital Offizier der Volkswagen Group testet mit seinem Team am Hamburger Flughafen das völlig autonome Einparken.


Hat die lästige Suche nach einem Stellplatz im Parkhaus bald ein Ende? Wenn es nach Johann Jungwirth geht, ja. Der Chief Digital Offizier der Volkswagen Group testet mit seinem Team am Hamburger Flughafen das völlig autonome Einparken.

Bei dem Modellprojekt der Hansestadt Hamburg und des Hamburg Airport fahren die Nutzer des autonomen Parkens bis zu einer Schranke, ziehen den Zündschlüssel ab, entnehmen ihr Gepäck und verriegeln das Fahrzeug. Per Fingerwisch auf der Smartphone-App wird der Parkvorgang aktiviert. Der Wagen setzt sich automatisch in Bewegung und fährt in die zugewiesene Parklücke. Ebenso einfach bekommt der Fahrer sein Auto wieder vor die Schranke gefahren. Per App gibt er einfach nur ein, wann sein Wagen wieder dort stehen soll.

"Das ist ein echter Mehrwert für die Passagiere", ist sich Michael Eggenschwiler, Geschäftsführer Hamburg Airport sicher. Schließlich entfällt nicht nur die Zeit für die Parkplatzsuche. Mit dem autonomen Parken können noch weitere Dienstleistungen verbunden werden. Ebenfalls per App kann der Fahrer den Kofferraum seines Wagens als Lieferadresse für Paketboten angeben. Auch Einkäufe können direkt in das Fahrzeug geliefert werden. Die dafür nötigen Dienstleister bekommen dazu ebenfalls per Smartphone-App eine einmalige Zutrittsmöglichkeit in den Wagen des Kunden. "Ein autonomes Elektroauto sucht sich einen Parkplatz mit Ladesäule", erklärt Frank Horch, Wirtschaftssenator der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Akkus von Elektroautos und Plug-in-Hybriden werden dann während der Parkzeit automatisiert aufgeladen. Auch das automatische Auftanken eines Fahrzeugs mit Benzin- oder Dieselmotor ist möglich, wenn eine Tankstelle ins Parkhaus integriert ist.

Allerdings funktioniert das autonome Parken weder in alle Parkhäusern noch mit beliebigen Fahrzeugen. Wobei die Parkhäuser das kleinere Problem sind. Hier müssen lediglich alle Verkehrsflächen digitalisiert werden. Zusätzlich sind etwa 30 mal 30 Zentimeter große "Hinweisschilder" nötig, die von den autonom einparkenden Fahrzeugen erfasst und deren Informationen ausgewertet werden. Dazu benötigen die Wagen zurzeit noch vier Kameras: je eine in den Außenspiegeln, eine im Heck und eine in der Frontschürze. Später sollen Radar- und Ultraschallsensoren die Erfassung ergänzen.

Und wann soll das Ganze serienreif sein? "Anfang des nächsten Jahrzehnts", verspricht Jungwirth. Die gute Nachricht: Fahrzeuge, die bereits über die entsprechende Sensorik und Steuergeräte verfügen, sollen per Software-Update dann autonom einparken können. Damit nicht in allen Parkhäusern jeder Hersteller seine eigenen Hinweistafeln aufhängen muss, soll es eine einheitliche Kennzeichnung geben. Senator Horch freut sich schon, wenn das autonome Parken nicht nur auf Parkhäuser, sondern auf das ganze Stadtgebiet ausgeweitet werden kann. "Damit geben wir den Menschen Lebensqualität zurück." Schließlich suchen deutsche Autofahrer im Schnitt 41 Stunden im Jahr nach einem Parkplatz. Und Johann Jungwirth ergänzt euphorisch: "Wir wollen den Menschen ihre Städte zurückgeben."

Carsten Paulun / mid

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